Geschrieben von Stiftung Kraftwerk

Bio-Regio-Modell-Projekt „Regionalwert Lausitz“

Bio-Regio-Modellregion „Regionalwert schaffen – Netzwerk für Wertschöpfungsketten und nachhaltige Entwicklung in der Lausitz“

Im Rahmen des Strukturwandels der Lausitz beschäftigt sich die Stiftung aktiv mit der Entwicklung und Etablierung regionaler Wertschöpfungsketten und legt den Schwerpunkt dabei auf den nachhaltigen Umgang mit der Ressource Boden und den Einsatz gesellschaftlich-kommunikativer und technisch-innovativer Instrumente zur nachhaltigen Entwicklung des ländlichen Raums.  Die Bio-Regio-Modellregion umfasst, entsprechend der ihr zugrundeliegenden Konzeption, den Landkreis Görlitz und betrachtet Vernetzungen und Wertschöpfungsketten mit Schwerpunkt in dieser Gebietskulisse, auch hinsichtlich der Verbindungen zum Nachbarlandkreis Bautzen. Diese Notwendigkeit ergibt sich aus den wirtschaftlichen Verflechtungen innerhalb der sächsischen Lausitz. Diese Gebietskulisse wurde für die Untersuchung und Entwicklung ausgewählt, weil durch die große Ausdehnung von der brandenburgischen bis zur tschechischen Grenze die gesamten Landschaftsprofile betrachtet werden können. Das Selbstverständnis des „Energielandkreises“, der sich mitten im Strukturwandel durch den Ausstieg aus der noch immer führenden Industrie der Braunkohlewirtschaft befindet, gibt dem Projekt eine besondere Relevanz. Eine gemeinsame Strategie für die nachhaltige Flächenbewirtschaftung, die im gesamten Landkreis verankert ist und aktiv kommuniziert wird, besteht noch nicht. Dies soll im Rahmen des Vorhabens verbessert werden.

Die Vision des Projekts „Regionalwert schaffen – Netzwerk für Wertschöpfungsketten und nachhaltige Entwicklung in der Lausitz“ ist ein gut vernetzter Landkreis Görlitz, der von Norden bis Süden das Potenzial der Wertschöpfung aus dem Boden erfasst, kommuniziert und an Hand nachhaltiger Standards entwickelt. Die Kooperation mit dem Landkreis Bautzen gestaltet sich konstruktiv im Sinne optimal abgestimmter Wertschöpfungsketten, die das Einkommen der Produzenten auf Basis fairer Preise garantieren. Die Daten zu Transformationserfahrungen aus den südlichen Regionen werden erfasst, aufbereitet und den Akteuren der heute betroffenen Gebiete zugänglich gemacht. Die trockenen und benachteiligten Böden erfahren eine gesonderte Betrachtung. Dabei werden Ansätze des Sonderkulturanbaus und der Kooperation zwischen Bergbautreibenden und Landwirten intensiv moderiert und begleitet. Es fließen Erkenntnisse aus zurückliegenden Modellvorhaben und Forschungsprojekten ein, die bisher nicht evaluiert und aufbereitet wurden. Technische Hilfsmittel bei der Bewirtschaftung, der Ernte und der Verarbeitung, die früher für kleinere Schläge oder besondere Kulturen eingesetzt wurden, werden auf ihre Einsetzbarkeit in der aktuellen Situation hin betrachtet. Thematische und/oder regional organsierte Fachnetzwerke tragen mit ihrem Wissen zur Förderung neuer Vernetzungen zwischen Produzenten, Verarbeitern und Veredlern bei. Die Verwaltungs- und Planungsbehörden werden eng in die Arbeit eingebunden und tragen die notwendigen Schritte in den eigenen Arbeitskontext. Die Konkurrenz zwischen Nahrungsmittelproduktion und Energiegewinnung aus der Fläche wird thematisiert und Modelle zu Kooperation zum beiderseitigen Vorteil werden unterstützt. 

Das Bewusstsein für die Bedeutung der „Wertschöpfung aus der Fläche“ soll gefördert und eine konstruktive und nachhaltige Entwicklung des Landkreises Görlitz dadurch unterstützt werden. Bestehende Unternehmen finden zu einer Vernetzung zusammen und können sich dadurch besser entwickeln. Die bereits existierenden Wertschöpfungsketten stabilisieren sich und neue Verbindungen entstehen. Verwaltung, Politik und Wirtschaftsförderung nehmen den Themenbereich landwirtschaftliche Produktion (im gesamten Umfang) als relevante Größe wahr und setzen sich gezielt für die Förderung ein. Auch die nicht für den Hochleistungsanbau geeigneten Areale sind als wertvolle Ressource für die Landwirtschaft zu sichern und Alternativen für die klassischen Photovoltaikanlagen zu definieren, damit nachhaltige Stromgewinnung und Flächenbewirtschaftung nicht länger als Konflikt betrachtet werden müssen. Die Förderung der Wertschöpfung wird zudem durch geeignetere Kulturformen, neue Bewirtschaftungsweisen und die Kombination von Wertschöpfungskomponenten erfolgen. 

Eine bewusste Rückbesinnung auf alte Kulturpflanzen wie traditionelle Getreidezüchtungen, Leinen, Buchweizen oder Hirse, die für den Boden sinnvoll sind, wird angeregt. Dazu werden Daten von Modellprojekten und erfolgreiche Beispiele erfasst, ausgewertet und das Wissen aus vorangegangenen Projekten aufgearbeitet. Ein besonderer Schwerpunkt sind die Sondernutzungsformen, deren Anbau durch Unternehmen forciert wird und in denen große Chancen für viel Areale stecken, die künftig durch veränderte klimatische Bedingungen für den klassischen Hochleistungsanbau nicht mehr rentabel genug sind. Das Modellvorhaben im Bereich Agri-Photovoltaik wird als mögliche Option gegen Flächenstilllegung und Versiegelung analysiert und die so gesteigerte Wertschöpfung potenziellen Interessenten vorgestellt. Ein weiterer positiver Effekt soll dadurch erzielt werden, dass entsprechende Konzepte eine frühzeitige Beteiligung der Bürger vorsehen, um die Technikakzeptanz zu fördern. Die Vernetzung und der Ausbau kleiner, resilienter Kreisläufe soll Landwirte stärken und Produzenten den Zugang zu hochwertigen, regional erzeugten Ausgangsprodukten Vernetzung des Projekts in die Lage versetzt sich nachhaltig zu entwickeln.

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Fotografin Tine Jurtz

Foerderleiste Sachsen
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